Gemeinschaft live erlebt – ARD zu Gast in Attendorn

Eigentlich ist es eine Geschichte vom Abschied und Ankommen. Einem Lebewohl von Gewohntem, vielen kognitiven Fähigkeiten und dem häuslichen Umfeld, aber auch ein Neubeginn in einem lebenswerten Wohnumfeld mit Gleichgesinnten und dem Gefühl, bestens versorgt zu sein. Ein Ist-Zustand, der nicht verblasst wie so manche Erinnerung. Die Rede ist von dem WG-Leben der 21 Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern in den zwei Wohngemeinschaften der Caritas-Senioren WG Am Alten Markt in Attendorn. Hintergrund des zweitägigen Besuchs eines Reportage-Teams des ARD-Morgenmagazins „live nach neun“ war es, in die Lebenswelt dieser ganz besonderen WG für Menschen mit dementiellen Erkrankungen einzutauchen und eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen.

Schon am Frühstückstisch werden Dönekes ausgepackt, Geschichten erzählt und Erinnerungen geteilt. Da wird dann auch mal um die letzte Scheibe Käse gefeilscht. Dass hier Gemeinschaft gelebt wird, davon konnte sich Marco Lombardo, Moderator von „live nach neun“, an den beiden Besuchstagen als Gast in dieser (Wohn-)Gemeinschaft überzeugen. „Natürlich waren wir alle ein bisschen nervös und haben uns rausgeputzt“, gibt Frau K. unumwunden zu. „Ja, wenn schon mal das Fernsehen kommt…“. Recht hat sie. Doch weit entfernt von Hochglanzbildern und geschöntem WG-Leben wurde hier an zwei Drehtagen der reale Alltag der dort lebenden Menschen gezeigt. Kein Wort und kein Gedanke an ein Heim kommt dem vierköpfigen Fernseh-Team beim zweitägigen Besuch. Die Mitbewohnenden sind Mieter. Das Pflege- und Betreuungspersonal scheint unterstützend „zu Gast“ zu sein. So wie jetzt das TV-Team.

Gemeinsam wurde erzählt, gelacht und gesungen: Der Besuch von Marco und seinem Team stieß auf große Begeisterung bei den WGlern.

Lebensräume für Menschen mit Demenz

Hausleitung Doris Maiworm und ihre Mitarbeitenden öffneten die Türen zu einem ganz persönlichen Blick hinter die Kulissen der „Demenz-WG“ und verdeutlichten, dass neben all der Versorgung und dem „Kümmern“ Selbstständigkeit und Individualität ebenfalls Einzug halten in die einladenden Räumlichkeiten im Herzen der Stadt. „Bei uns ziehen mehr als nur lieb gewonnene Kleidungs- und Möbelstücke in die jeweiligen privaten Zimmer der Mitbewohnerinnen und Mitbewohner ein. Es sind Erinnerungen und Bilder, die als Mitbringsel vom gewohnten Umfeld hier im neuen Zuhause ihren Platz finden“, betont Doris Maiworm. „Hier fühlen wir uns wohl und bestens umsorgt. Wir können so selbstständig und individuell wie möglich leben und haben hier doch das Gemeinschaftsleben und -gefühl“, erzählt die rüstige Frohnatur Herr W., ursprünglich aus Aachen kommend. Oftmals ist es ein schleichender Prozess, der die Krankheit langsam einziehen lässt – in Körper und Geist, in das eigene Zuhause, die lieb gewonnene Umgebung und das Miteinander in der Familie. Einer, der letztendlich ein Leben in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich macht. Marco Lombardo zeigte sich tief beeindruckt von den neuen Lebensräumen in der Hansestadt. „Ich bin sehr erstaunt, wie offen, herzlich, familiär und selbstbestimmt das Leben in dieser Ambulant Betreuten Wohngemeinschaft stattfindet – Teilhabe und Teilnahme an Aktivitäten und dem Stadtgeschehen inklusive“.

„Niemand muss alleine sein“

So gehört der Gang zum Bäcker nebenan ebenso zum Alltagsprogramm wie das gemeinsame Singen in entspannter Runde. Wie gut, dass der linkshändig Gitarre spielende Fernseh-Mann sein Instrument dabei hatte. Gemeinsam mit den WGlern auf der oberen Etage wurde schon am ersten Tag bis in die späten Abendstunden zusammengesessen und erzählt. „Über dies und das“, berichtet Frau L.. Da wurde der kürzliche Tod einer Mitbewohnerin ebenso thematisiert wie auch zahlreiche freudige Ereignisse wie gemeinsame Feiern und Ausflüge. „Alles findet bei uns Raum“, betont auch Renate Föhrdes, Teamleitung Pflege. „Wir freuen uns immer über Besuch und das Interesse an unserer Wohnform“. Die zwei Tage haben auch beim Fernsehteam Spuren hinterlassen, wird die Reportage doch eindrucksvoll verdeutlichen, dass Leben im Alter – auch mit einer dementiellen Erkrankung – würdevoll, begleitet und in Gemeinschaft stattfinden kann. Niemand muss alleine sein, so die Message des Beitrages, der „Live nach neun“ in der ARD ausgestrahlt wurde.

Hier der Bericht mit Bildern zum ARD-Beitrag (ab 23. Minuter): https://www.daserste.de/information/ratgeber-service/live-nach-neun/videos/live-nach-neun-video-12430.html