Ein Gewinn für Dialysepatienten

Neues, minimalinvasives Verfahren am St. Martinus-Hospital Olpe

Die Spannung ist spürbar im OP-Saal. Anspannung, Vorfreude. Diese ganz besondere Stimmung, bevor etwas Neues geschieht. St. Martinus-Hospital Olpe, OP 2, Donnerstagmorgen. Interventionelle Shuntanlage. Was so nüchtern klingt, ist in Wahrheit ein Eingriff, der aktuell an nicht einmal zehn gefäßchirurgischen Kliniken in Deutschland durchgeführt wird. Und der einen deutlichen Gewinn für Dialysepatienten bedeuten kann.

Denn „Interventionelle Shuntanlage“ heißt das neue, minimalinvasive Verfahren, das das Team der Gefäßchirurgie am Olper Standort der GFO Kliniken Südwestfalen in sein Repertoire aufnimmt. Allen voran an diesem Morgen: Dr. med. Anand Esapathi, Chefarzt der Gefäßchirurgie, und Oberarzt Tarek Misurati – die ersten, die das Verfahren in Olpe anwenden.

War bislang ein offen-chirurgischer Eingriff mit Schnitt ins Gewebe notwendig, um einen Shunt (so nennt man die Verbindung zweier Blutgefäße) für die Dialyse herzustellen, sieht das neue Verfahren lediglich eine Punktion mit einer Nadel vor. Dialysepatienten sind oft über Jahre und Jahrzehnte auf einen funktionierenden Stunt angewiesen. Da die körpereigenen Gefäße, die dafür benutzt werden können, nur begrenzt vorhanden sind und im Laufe der Dialysebehandlung in Mitleidenschaft gezogen werden, sind oft immer wieder mal Folgeeingriffe nötig. Daher ist von Anfang an eine sorgfältige und vorausschauende OP-Planung wichtig. „Wir freuen uns, dass wir mit der interventionellen Shuntanlage für manche Patienten eine zusätzliche Option anbieten können, zusätzlich zu den bestehenden und bewährten offen-chirurgischen Möglichkeiten, die zudem noch deutlich schonender ist“, sagt Dr. Esapathi.

Für das neue Verfahren ist eine große gefäß-/shuntchirurgische Expertise in der Versorgung von Dialysepatienten, im Umgang mit feinen Drähten und Kathetern und die apparative Ausstattung mit einem sehr guten Ultraschallgerät im OP Voraussetzung. Daher wird diese Operation nur an ausgewählten Kliniken angeboten. Alle diese Voraussetzungen sind in Olpe vorhanden, hat die  gefäßchirurgischen Abteilung doch seit vielen Jahren eine überregionale Bedeutung in der Versorgung von Dialysepatienten erlangt.

Es wird ernst. Dr. Esapathi beginnt, mit einer dünnen Nadel durch die Haut ins Gewebe zu stechen. Wo er früher direkte Sicht auf die beiden Blutgefäße, die er verbinden möchte, hatte, hilft nun das Ultraschallgerät. Nicht so einfach, wie man denken könnte. „Es kann ja durchaus sein, dass man das zweite Blutgefäß mit der Nadel wegschiebt oder an der Gefäßwand hängenbleibt. Oder es kommt zu einer Fehlpunktion und dadurch zu einem Bluterguss, wodurch das Bild im Ultraschall gestört wird.“ Aber der Chefarzt ist erfahren und geduldig. Und der erste Schritt glückt. Dann werden die neuen Geräte für den Eingriff benötigt. „Das ist jetzt ein wichtiger Moment“, sagt Tarek Misurati. Er führt Draht und Schleuse in die Kanüle. Millimeterarbeit. Für Laien auf dem Ultraschall so gut wie nicht nachzuvollziehen. Durch die Schleuse wird anschließend der Katheter in die Blutgefäße geführt. Der Katheter führt die Wände der beiden Blutgefäße zusammen und verschmilzt diese schließlich durch Hitze. Nun muss noch ein kleiner Ballon mithilfe eines Drahts in die verbundenen Gefäße eingeführt und aufgeblasen werden, um die verbundene Stelle zu vergrößern. Nach Entfernen des Katheters ist lediglich die Punktionsstelle, ähnlich wie nach einer Blutabnahme, zu sehen. Es muss nichts genäht werden, ein kleines Pflaster reicht aus.

Blick auf den Ultraschall-Monitor. „Am schönsten ist es, wenn man gleich ein Ypsilon sieht“, hört man aus dem OP-Team. Spannung. Und da ist sie zu sehen: Die Stelle, an der aus zwei Blutgefäßen eins geworden ist. Der Eingriff ist geglückt. Die Spannung fällt ab. Was bleibt, ist etwas Neues. Und ein  deutlicher Gewinn für Dialysepatienten.

Zum Foto: Volle Konzentration beim gesamten OP-Team: Dr. med Anand Esapathi (vorn rechts) und Tarek Misurati (vorn links) beim neuen, minimalinvasiven Verfahren am St. Martinus-Hospital Olpe. Foto: Katholische Hospitalgesellschaft